Wird der Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten bald verboten?

03.11.2016


Einschätzung von Christiane Bülow-Bichler, Inhaberin der medpex Versandapotheke, zum geplanten Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten.

medpex Versandapotheke, Inhaberin Christiane Bülow-BichlerDer Versandhandel mit rezeptpflichtigen Medikamenten soll in Deutschland verboten werden, das fordert Gesundheitsminister Hermann Gröhe (CDU). Hintergrund der aktuellen Diskussion ist die Entscheidung des Europäischen Gerichtshofs (EuGH), die besagt, dass sich ausländische Versandapotheken nicht an die in Deutschland geltende Preisbindung für Arzneimittel halten müssen und ihren Kunden entsprechende Boni einräumen dürfen.

„Das geplante Verbot wäre ein Rückschritt.“

Christiane Bülow-Bichler, Inhaberin der medpex Versandapotheke, zeigt sich überrascht von den Plänen des Politikers: „Das geplante Verbot wäre ein Rückschritt. Die vergangenen 12 Jahre haben gezeigt, dass Kunden das Angebot von Versandapotheken sehr schätzen.“ Ihrer Meinung nach sollten Kunden auch weiterhin die freie Wahl haben, ihre Medikamente online oder stationär zu erwerben – ein Verbot schränke diese Wahlmöglichkeit drastisch ein.

Stattdessen plädiert die Apothekerin für eine Lockerung der Preisbindung. Die Grundfreiheiten des europäischen Binnenmarktes müssen für alle Teilnehmer gelten – auch für die deutschen Apotheken. Dürfen nur ausländische Versender Boni auf Medikamente gewähren, werden deutsche Apotheker und Versandhändler benachteiligt. „Die jetzt bestehende Inländerdiskriminierung muss beseitigt werden“, betont Bülow-Bichler und wünscht sich eine schnelle und zukunftsorientierte Lösung.

medpex möchte seine Kunden auch weiterhin gut – und vor allem vollständig – versorgen. Die Belieferung mit rezeptpflichtigen Medikamenten gehört selbstredend zum Angebot einer Apotheke. Es gibt keinen Grund deutschen Versandapotheken diese Möglichkeit zu nehmen.

Höchstpreismodell als sinnvolle Lösung

Einer kompletten Aufhebung der Preisverordnung steht Christiane Bülow-Bichler jedoch kritisch gegenüber: „Die Preise für rezeptpflichtige Medikamente sollen nicht willkürlich bestimmt werden dürfen.“ Ein Höchstpreismodell wäre eine sinnvolle Lösung. Das bedeutet, dass ein Maximal-Preis für ein Medikament festgelegt wird und jede Apotheke entscheiden kann, ob sie in Form eines Bonus von diesem Preis nach unten abweicht oder nicht. Dieses Modell schützt den Kunden vor überteuerten Preisen und eröffnet gleichzeitig den Preiswettbewerb. Auch Christian Buse, Vorsitzender des Bundesverbands der deutschen Versandapotheken (BVDVA), sieht die Höchstpreisverordnung als logische Konsequenz, um die „nicht hinnehmbare Wettbewerbsverzerrung“ für Versand- und Offizinapotheken zu beenden.

Apothekensterben ist nicht belegbar

Das Argument, nur durch das Verbot könne die Qualität und die Sicherheit einer flächendeckenden, wohnortnahen Versorgung mit Medikamenten gesichert werden, hält einer kritischen Hinterfragung nicht Stand. Für das Schreckensszenario des Apothekensterbens gibt es keine Belege. Weder Wettbewerbszentrale noch Bundesregierung können ihre Bedenken bisher mit Zahlen belegen.

Seit Einführung des Arzneimittelversandhandels 2004 sank die Zahl der Apotheken in Deutschland laut statistischem Bundesamt lediglich von 21.392 auf 20.249 im Jahr 2015. Dies hatte jedoch strukturelle Gründe.

Wer im Krankheitsfall vom Arzt ein rezeptpflichtiges Medikament verordnet bekommt, wird vermutlich weiterhin auf direktem Weg zur Apotheke gehen und sein Rezept dort sofort einlösen. Apotheken vor Ort sind und bleiben wichtige Ansprechpartner der Patienten.

Allerdings sind es gerade die Versandapotheken, die bereits jetzt einen großen Beitrag zur flächendeckenden Versorgung leisten: Sei es in schwach besiedelten Gebieten, in denen es schon jetzt wenig Apotheken gibt, für chronisch Kranke und mehrfacherkrankte Patienten sowie für Kunden, die nicht mehr entsprechend mobil sind.

Übrigens: Jede in Deutschland zugelassene Versandapotheke ist an eine Vor-Ort-Apotheke gebunden, die entsprechende Nacht- und Notdienste leistet.

Letztendlich zählt der Wunsch des Kunden

Umfragen des Marktforschungsunternehmens GfK haben in der Vergangenheit immer wieder bestätigt, dass sich Kunden mehr Qualitäts- und Servicewettbewerb im Apothekenmarkt wünschen. Der Kundenmonitor Deutschland bestätigt zusätzlich die Zufriedenheit der deutschen Versandapotheken-Kunden: Von allen im Kundenmonitor 2015 untersuchten Branchen haben die Versandapotheken neben den Optikern die zufriedensten Kunden.

Nicht ohne Grund haben sich Versandapotheken in den vergangenen 12 Jahren als einfacher, diskreter und patientenfreundlicher Weg der Arzneimittelversorgung etabliert.

Fazit

„Ein Verbot des Versandhandels mit rezeptpflichtigen Medikamenten können wir nicht akzeptieren. Wir werden alles dafür tun, unseren Kunden auch weiterhin die gewohnten Leistungen bieten zu können.“ Christiane Bülow-Bichler, Inhaberin der medpex Versandapotheke.
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